Irrer Ivan rammt inspirit
Eine Szene wie im Film: Wer “Roter Oktober” gesehen hat, kann sich vorstellen was geschehen ist. Ein kroatisches Tauchboot - ohne Kennzeichnung - ändert seinen Kurs kurz bevor wir es am Heck passieren wollen um mehr als 180 Grad und rammt uns von achtern.
Auch das 2. Manöver des letzten Augenblicks bringt nichts, wir stehen im Wind und es kracht: Die Seitenwand des Auslegers ist auf über 1m Länge beschädigt. Zum Glück kein Loch im Rumpf.
Schlimmste Vorstellungen quälen uns, nachdem der kroatische Versicherungsexperte über die juristische Praxis berichtet. Es ist Wochenende, wir müssen warten und schmoren mit unseren Sorgen in der Sonne von Pula. Es gibt aber auch Positives: Die Anhörung und Einvernahme verläuft absolut seriös. Den ersten Anmerkungen und der Mimik des Hafenkapitäns von Pula können wir entnehmen, dass die Schlamperei einer mangelnden Kennzeichnung eines Tauchschiffs eher tägliche Praxis ist und keine Ausnahme. Vor Gericht wird es nicht viel bringen: Kroaten sind auf Sachschäden nie versichert, Privatvermögen ist selten greifbar, somit zahlt man immer selbst oder die eigene Kaskoversicherung. Das Urteil ist nur Formsache, Geld vom Besitzer des Tauchschiffs gibt es sicher nicht.
Auf dem Weg Richtung Norden beobachten wir in den folgenden Tagen kritische Tauchstellen und sehen nur noch Unfassbares: Als Taucher kann ich es kaum glauben, alle weiteren Tauchplätze waren noch mangelhafter gekennzeichnet, Flaggen führt keiner. Die wohl schlimmste Situation sehen wir an der Nordspitze von Istrien. Die beiden Tauchbojen sind halb aufgeblasen und als solche nicht zu erkennen. Sie werden durch orange Fischerboote ergänzt. Aus der Ferne ist die Anordnung nur als Fischernetz zu erkennen, die beiden kleinen Boote tragen keine Flagge. Das Bild für jeden Wassersportler: Ein Netz zwischen zwei Bojen. Taucher scheinen nicht zu wissen, dass Schiffe ein Netz überfahren oder knapp passieren dürfen. Dabei riskieren Taucher ihr Leben, Eine Kollission mit dem Schwert unseres Trimarans bei 10kn Fahrt würde für jeden Taucher fatal enden…
Wenige Minuten nachdem wir diese Stelle passieren, rast ein riesiges Motorboot über die Tauchstelle - zum Glück sind die Taucher noch unten. Fahrlässigkeit und Schlamperei der Tauchanbieter und die gültigen Gesetzte scheinen den meisten Tauchern in ihrer Naivität nicht bekannt zu sein. Sie vergessen vollkommen, dass kleine Schäden am Schiff die geringsten Folgen sind - sie riskieren bei jedem dieser Tauchgänge ihr Leben. Man kann nur hoffen, dass der jetzt aufblühende Tauchtourismus in Kroatien durch harte Behörden-Kontrollen der Tauchschiffen sicherer wird. Wir Segler können bei so fahrlässigen Tauchschiffen wenig zur Sicherheit der Taucher beitragen.
Im Augenblick kann man jedem Wassersportler nur empfehlen, an typischen Tauchstellen besonders vorsichtig zu sein: Traue deinen Augen nicht - Tauchschiffe tarnen sich gerne als Fischer.

